LeseverstehenB2–C1

Evolutionsbiologie — Konvergente Evolution (Echoortung bei Fledermäusen und Zahnwalen)

July 20, 2026

Text

Konvergente Evolution bezeichnet das Phänomen, dass evolutionär weit entfernte Arten unabhängig voneinander ähnliche Lösungen für vergleichbare ökologische Herausforderungen entwickeln. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist die Echoortung: Fledermäuse und Zahnwale, deren letzter gemeinsamer Vorfahre vor über achtzig Millionen Jahren lebte, nutzen beide hochfrequente Schallwellen, um sich in lichtarmen Umgebungen zu orientieren und Beute aufzuspüren. Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass in beiden Abstammungslinien nahezu identische Mutationen im selben Hörgen, Prestin, aufgetreten sind – obwohl sich die beiden Gruppen völlig unabhängig voneinander entwickelt haben. Diese Übereinstimmung auf molekularer Ebene lässt sich nicht durch gemeinsame Abstammung erklären, sondern durch den gleichgerichteten Selektionsdruck, den die Anforderungen der Echoortung ausüben. Für Biologen ist dieser Befund bedeutsam, weil er zeigt, dass natürliche Selektion unter ähnlichen Bedingungen wiederholt zu denselben genetischen Lösungen führen kann – ein Hinweis darauf, dass Evolution in mancher Hinsicht vorhersagbarer verläuft, als lange angenommen wurde.

Question

Welche Schlussfolgerung lässt sich aus dem Text hinsichtlich der Vorhersagbarkeit von Evolution ziehen?

ADie genetische Übereinstimmung bei Fledermäusen und Zahnwalen lässt sich vor allem durch einen gemeinsamen Vorfahren erklären, der bereits über Echoortung verfügte.
BÄhnliche ökologische Anforderungen können bei nicht miteinander verwandten Arten zu vergleichbaren genetischen Lösungen führen.
CEchoortung entstand ursprünglich bei einer einzigen Art und breitete sich anschließend über Genaustausch auf andere Arten aus.
DDas Gen Prestin kommt ausschließlich bei Fledermäusen und Zahnwalen vor und lässt sich bei keiner anderen Säugetierart nachweisen.
EDa beide Artengruppen denselben ökologischen Herausforderungen begegneten, war die Entstehung identischer Mutationen von vornherein unausweichlich.
Show answer
B

Der Text stellt klar, dass sich die molekulare Übereinstimmung „nicht durch gemeinsame Abstammung erklären" lässt, sondern durch den „gleichgerichteten Selektionsdruck" ähnlicher ökologischer Anforderungen bei zwei nicht näher verwandten Arten. A widerspricht dem Text direkt, da gemeinsame Abstammung als Erklärung ausdrücklich ausgeschlossen wird. C (Genaustausch), D (Exklusivität des Gens) und E (Unausweichlichkeit) behaupten Dinge, für die der Text keine Belege liefert.

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