Linguistik — Sprachlicher Relativismus (Sapir-Whorf-Hypothese)
June 29, 2026
Text
Die Hypothese des sprachlichen Relativismus, bekannt als die Sapir-Whorf-Hypothese, postuliert, dass die Sprache, die ein Mensch spricht, seine Wahrnehmung der Wirklichkeit maßgeblich beeinflusst. Der amerikanische Linguist Benjamin Lee Whorf entwickelte diese These in den 1930er Jahren, nachdem er festgestellt hatte, dass die Hopi-Indianer über Zeit und Raum grundlegend anders sprechen als Sprecher europäischer Sprachen. Er schloss daraus, dass ihre Sprache ihr Denken grundlegend forme.
Moderne Kognitionslinguisten betrachten diese Theorie jedoch mit großer Vorsicht. Zwar haben Studien belegt, dass Sprecher von Sprachen mit zahlreichen Farbbezeichnungen bestimmte Farbtöne schneller unterscheiden können. Dennoch lehnen die meisten Forscher die starke Version der Hypothese ab, die besagt, dass Sprache das Denken vollständig und unausweichlich bestimme. Stattdessen bevorzugen sie den Begriff der moderaten sprachlichen Relativität: Sprache kann kognitive Prozesse beeinflussen und lenken, ohne sie jedoch vollständig festzulegen.
Question
Was lässt sich dem Text entnehmen über die moderne wissenschaftliche Einschätzung der Sapir-Whorf-Hypothese?
Show answer
Der Text erklärt, dass „die meisten Forscher die starke Version der Hypothese ablehnen" und stattdessen von einer „moderaten sprachlichen Relativität" sprechen — Sprache „kann kognitive Prozesse beeinflussen und lenken, ohne sie jedoch vollständig festzulegen." Option B gibt genau diese Position wieder. A ist falsch, da die Theorie „mit großer Vorsicht" betrachtet wird. C widerspricht dem Text direkt: Die starke Version wird abgelehnt. D ist eine Verzerrung: Whorf zog diese Schlussfolgerung, aber der Text betont, dass die moderne Wissenschaft sie nicht bestätigt. E ist falsch, da die moderate Variante der Hypothese weiterhin anerkannt wird.
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