LeseverstehenB2–C1

Kunstgeschichte — Impressionismus und institutionelle Anerkennung

23 Haziran 2026

Text

Als die Impressionisten in den 1870er Jahren ihre Werke erstmals öffentlich zeigten, stießen sie auf den entschiedenen Widerstand der etablierten Kunstkritik. Der offizielle Pariser Salon, der über Jahrzehnte hinweg darüber entschied, welche Malerei als seriös galt, lehnte ihre skizzenhaften Landschaften und flüchtigen Lichtstudien als unfertig ab. Erst die Unterstützung einzelner Kunsthändler, die unabhängig vom Salon eigene Ausstellungen organisierten, verschaffte den Malern allmählich ein Publikum. Bemerkenswert ist, dass dieselben Bilder, die zunächst als Provokation galten, wenige Jahrzehnte später zu Höchstpreisen gehandelt und in nationale Sammlungen aufgenommen wurden. Diese Entwicklung zeigt, dass das Urteil über künstlerischen Wert keineswegs zeitlos feststeht, sondern von den jeweils tonangebenden Institutionen mitbestimmt wird. Was eine Epoche als Bruch mit jeder Regel empfindet, kann einer späteren als Maßstab gelten — nicht weil sich die Werke verändert hätten, sondern weil sich die Instanzen wandelten, die über ihre Bedeutung entscheiden.

Frage

Welche Schlussfolgerung lässt sich aus dem Text ziehen?

ADer Wert eines Kunstwerks ergibt sich allein aus dem handwerklichen Können des Künstlers und bleibt über die Jahrhunderte hinweg konstant.
BDie Wertschätzung künstlerischer Werke kann sich wandeln, weil sie von den jeweils maßgeblichen Institutionen mitbestimmt wird.
CKunsthändler besaßen bereits im 19. Jahrhundert mehr Einfluss auf den öffentlichen Geschmack als jede andere Instanz.
DDie Impressionisten überarbeiteten ihre Bilder so lange, bis der Salon ihnen schließlich die Anerkennung gewährte.
EDer Pariser Salon förderte gezielt neuartige Maltechniken, sofern diese beim breiten Publikum Anklang fanden.
Cevabı göster
B

Richtig ist B. Der Text hält ausdrücklich fest, dass das Urteil über künstlerischen Wert „keineswegs zeitlos feststeht, sondern von den jeweils tonangebenden Institutionen mitbestimmt wird". A und C werden vom Text nicht gedeckt: Von „handwerklichem Können" ist nirgends die Rede, und die Kunsthändler verschafften den Malern lediglich „allmählich ein Publikum", ohne als einflussreichste Instanz dargestellt zu werden. D widerspricht der Aussage, die Anerkennung sei gekommen, „nicht weil sich die Werke verändert hätten", und E kehrt die Haltung des Salons um, der die Bilder gerade „als unfertig ablehnte".

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